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WissenswertesHistorie des Glücksspiels
Spielsuchtprävention
Historie des GlücksspielsDas Spiel - insbesondere das Glücksspiel - ist so alt wie die Menschheit selbst. Im Laufe der Zeit wurde das Spiel um das große Glück immer neuen Variationen und Regeln unterworfen. Es gehört heute - mittlerweile auch vollautomatisiert - als ein selbstverständliches Freizeitangebot dazu und hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor herausgebildet.

Nachdem die Obrigkeit seit dem Spätmittelalter erkannt hatte, dass das Glücksspiel nicht nur zur Befriedigung der Spielleidenschaft des einzelnen geeignet war, sondern darüber hinaus auch für den jeweiligen Veranstalter durchaus lukrative Gewinne versprach, ließ es nicht mehr lange auf sich warten, bis sich diese der neuen Geldquelle annahm. Das Glücksspiel wurde nun großräumig angelegt. Organisation und Verwaltung lagen in den Händen der Landesherren, denen auch die erzielten Überschüsse zuflossen.

Ermöglicht wurde diese kommerzielle Form des Glücksspiels durch die Erfindung des Buchdrucks zur Herstellung von Spielscheinen und Losen sowie durch die Einführung allgemein verbreiteter Zahlungsmittel zur Entrichtung des Einsatzes und zur Ausschüttung der jeweiligen Gewinne.

Es begann in Italien: Lotto di Genova.
Das moderne Zahlenlotto lässt sich auf das sogenannte "Lotto di Genova" zurückführen - einem Nebenprodukt der genuesischen Senatorenwahl, die in der oberitalienischen Hafenstadt 1575 nach einem Staatsstreich eingeführt worden war. Nach der neuen Stadtverfassung Genuas wurden zur Ergänzung des Großen Rates der Stadt (Signoria) aus einer neunzigköpfigen Bürgerliste fünf Personen in den Senatorenstand (Governatori) hineingelost. Da nun nicht nur die Engländer, sondern auch die Italiener gewohnt waren auf alles mögliche zu wetten, schlossen sie Wetten auf die betreffenden Bürgerkandidaten ab. Im Laufe der Zeit übernahm die Stadt die Organisation dieser Wetten in eigener Regie. Aus der Senatorenwahl, dem "Semonario" wurde im Jahre 1643 so das "Lotto" mit der Spielformel "5 aus 90", das sich in der folgenden Zeit schnell über den italienischen Stiefel ausbreitete.


1611. Hamburg setzte Signale: erste Staatslotterie Deutschlands.
In der Geschichte der Deutschen Lotterien hat Hamburg zwei Meilensteine gesetzt. Da die Freie und Hansestadt nicht nur eine Stadtgemeinde, sondern auch ein Staatswesen war, ist ihre erste Lotterie die erste Staatslotterie in Deutschland. Und es ist die erste deutsche Lotterie, bei der es außer Sachwerten auch Geldpreise zu gewinnen gab.

Am Anfang des 17. Jahrhunderts strömten Zuwanderer in großer Zahl in die wohlhabende Stadt an der Elbe, und da unter ihnen nicht nur solche waren, die man "ehrlich, aufrichtig und arbeitsam" nennen konnte, forderte die Erbgesessene Bürgerschaft vom Rat, ein "Werck- und Zuchthaus" zu bauen, um die Bettler und Vagabunden von der Straße zu schaffen. Der Gedanke war einleuchtend, aber die öffentlichen Kassen leer. Da richteten die Mitglieder der Bürgerschaft am 16. August 1610 ein Schreiben an den Rat: " ... Von Etzlichen Bürgern ist wolmeindendlich fürgeschlagen, wann E. E. Rath ein christlich Mittel, als in Holland gebräuchlich sein soll, welches woll in gestalt eines Loßes, aber gleichwoll in Wahrheit kein Loß ißt, anrichten möge, daß es zu großen nutzen gereichen und zu fürderung solches werckes tragen könte."

In heutigem Deutsch: "Veranstaltet eine Lotterie, damit das Geld zusammenkommt."

Am 7. November 1611 beschließt der Rat, dass "mit der von der Erbgeseßenen Bürgerschaft jüngst hier fürgeschlagenen Lotterey zu verfahren und darauff ferner anordnung zu machen" sei.

Die "anordnung" erfolgt am 5. Juni 1612. Gleichzeitig wird ein "Lottenschreiber" vereidigt und der Gewinnplan veröffentlicht. Der "Lottenschreiber" ist der Mann, der die Lose ausschreibt. Er muss schwören, dass er nur die Namen derer auf die Zettel schreiben wird, die auch bezahlt haben, er schwört, darauf zu achten, dass alles mit rechten Dingen zugeht und schließlich, dass er weder selbst, noch durch andere, Zettel mit seinem Namen in den Glückstopf tun wird, und dass er sich "gesetzlich" enthalten wird, "Compagnie mit jemant an den Zetule zu haben".


1614. Erste Ziehung dauerte 57 Tage!
Der Gewinnplan von 1612 ist im Hamburgischen Staatsarchiv noch im Original erhalten. Es ist ein illustriertes Blatt, das in der obersten Reihe Szenen aus dem Leben im geplanten "Werck- und Zuchthause" zeigt und darunter in zehn Reihen die Abbildungen der Gewinne: silberne Pokale, Kannen, Becher und Römer, Schalen und Löffel und, um auch die Geldpreise darzustellen, Säcke auf denen verzeichnet ist, wieviel Mark Lübisch sie enthalten, von 500 bis 50.

Da Hamburg am Anfang des 17. Jahrhunderts eine berühmte Silberschmiedestadt war, ist dieses Tableau eine gute Quelle für kunstgeschichtliche Studien. Der Pokal, der in der obersten Reihe (links) abgebildet ist, wog über sieben Pfund und kostete damals schon den stattlichen Preis von 300 Mark. Selbst die silbernen Löffel (ganz unten rechts) hatten noch einen Preis von fünf Mark. 500 Stück davon gab es zu gewinnen.

Nicht alle Gewinne konnten abgebildet werden. Wie aus einem 1614 "in verlegung von Heinrich Dosen" veröffentlichten Index aller Gewinner zu ersehen ist, gab es im Ganzen 20.655 Gewinne. Die meisten waren natürlich kleinere Gewinne, so 5.000 mal der doppelte Einsatz und 15.000 mal Rückzahlung des Einsatzes. Es gab aber auch Leib- oder Erbzinsen zu gewinnen und 72 mal wurde den Spielern ein "Verehrungsgeschenk" gemacht, d. h. Spieler, die mindestens 200 Taler eingesetzt hatten, bekamen ein Silbergerät geschenkt, unabhängig davon, ob sie gewonnen hatten, oder nicht. Es wird berichtet, dass "etzliche" Mitspieler um der guten Sache willen von vornherein auf einen Gewinn verzichteten.

"Giebt im das Loss zu wenig Lohn, Er hat doch Gwin in Himmels Thron", hatte es in einem Werbegedicht für die Lotterie gehießen.

Trotz der beträchtlichen Gewinnchancen dauerte es doch 26 Monate, bis die Lotterie "complet" war, d. h. bis alle Lose verkauft waren.

Die Ziehung begann am 8. August 1614 und dauerte bis zum 3. Oktober, ohne Unterbrechung 57 Tage und 56 Nächte. Zugegen waren Herren des Rates, der Oberalten, Kämmerei-Bürger (heute würde man sagen: Mitglieder der Finanzdeputation) und "andere dazu Verordnete". Während der ganzen Zeit waren stets 14 Beisitzer und vier "Notari" zugegen, die alle sechs Stunden abgewechselt wurden, "so daß also keine Suspicie einiger Falschheit möge statthaben, oder präsumieret werden".

Hintz und Kuntz und Lottoschreiber.
Ort der Ziehung war die Alte Accise über dem Weinkeller des Eimbeckschen Hauses. Dort saßen Tag für Tag 28 aus der Bürgerschaft ausgewählte Collectoren und nahmen die Einzahlungen entgegen. Der Preis eines Loses betrug acht Schillinge (eine halbe Mark). Natürlich konnte man auch ein Vielfaches dieses Betrages einsetzen und bekam dann entsprechend viel Lose.

Nachdem der Kollektor das Geld in Empfang genommen hatte, trug der Lottenschreiber den Namen in ein Register ein und schrieb ihn danach auf einen Zettel. Waisenkinder "präparierten" diesen Zettel, indem sie ihn zusammenrollten und versiegelten. Dann warfen sie ihn in den Loskorb. Auf ihm stand zu lesen:

"Wer im Beinhaus erkennen kann
Einen Armen für einen reichen Mann,
Der kan dieses Korbes Orth
Hier Hintzen treffen, Kuntzen dort."

Das sollte heißen: So wenig man in der Leichenhalle einen Reichen von einem Armen unterscheiden kann, so wenig weiß man, wo in dem Korb sich die Lose des einen oder anderen befinden.

Auf der anderen Seite stand der Korb mit den Gewinnzetteln. Auch er hatte einen Sinnspruch:

"In diesem Korbe die Gewinne sein
Für große, mittel und auch klein,
Niemand kann sagen an dieser Siedt (Seite)
Liegen die Gewinne, und dort die Niedt."

Das Wort "Niedt" vom holländischen "niet" für "nicht" oder "nichts" taucht hier übrigens urkundlich nachgewiesen zum erstenmal auf. Wenn beide Körbe voll waren, ging es an die Ziehung. Wieder waren Waisenknaben die Glücksbringer. Sie zogen aus jedem Korb einen Zettel und so wurde der Gewinner festgestellt.

Ein Gedicht fürs Glück.
Eine Besonderheit dieser ersten Staatslotterie (und der folgenden) war es, dass man nicht verpflichtet war, seinen Namen auf den Loszettel schreiben zu lassen. Man konnte auch einen Spruch wählen, wenn man sich davon mehr Glück versprach. Nur "Unzüchtiges" durfte nicht aufgeschrieben werden. Da die Spieler nicht etwa gängige Sprüche benutzten, sondern sich die Texte selbst ausdachten, ergeben die erhaltenen Sprüche ein gutes Bild damaliger Denkungsart, die von unserer nicht so gar verschieden ist. (Die Rechtschreibung wurde nur soweit angepasst, als es zum Verständnis notwendig erscheint.) "* In Stäten müssen Armen sein, die zu erhalten geb ich das mein. * Es trincken 1000 eher den Todt, ehr einer stirbt dürstet nodt. * Böse zaler, gute Mahner. * Besser gröber Rock dann blosse Haut. * Die Welt lohnt wie ein Schaffbock, der stost seinen eigenen Herrn. * Der eine frisst den Braten, der ander muss das Spies lecken. * Den Aal hält man nicht wohl beim Schwantze. * Den Braten kennet man an den Federn, den Mann an den Kleidern. * Drei Heller ist auch Gelt. * Aus Kelbern kommen auch Ochsen.* Alle bösen Wetter klaren op gegens den Abend.*Alt Fleesch macht fette Suppen. * Adam muß ein Evan han, sonst er sich nicht entschuldigen kan. * Armuth ist der Reichen Kuh. * Ander Leut Gelt, ander Leut Sorge. * Armut ist aller Künste Stiefmutter. * Bunte Bulle zeugen bunte Kelber. * Bradt Würste soll man nicht im Hundestall suchen. * Bösen Wein soll man loben, er bedarff es, guter Wein lobet sich selber. * Dem Abt Fische, den Brüdern saurer Koel. * Der Steinweg in Stäten ist hart zu treten. * Bettler fasten selten. * Brüdereinigkeit ein seltenes Kraut. * Der Freunde Gebrechen soll man kennen, aber nicht nennen. * Darnach der Mann Gelt gib, pfeiffet ihm der Spielmann. * Bauwen ohne Noth bringt Armuth. * Besser einen Gülden den man werbet, als Zehen, die man erbet. * Ich weis wohl was ich habe, weiss aber nicht was ich kriegen soll."

Alles hanseatisch korrekt.
Der Hamburger Rat achtet nicht nur darauf, dass bei dieser ersten Staatslotterie alles juristisch einwandfrei war. Da die Ratsherren ja selbst Kaufleute waren, dachten sie auch kommerziell. Sie kollektierten auch in anderen Städten. Nachgewiesen sind Mitspieler aus Kopenhagen, Leipzig, Dresden, Lübeck, Frankfurt und anderen Orten. Es finden sich aber auch Schreiben im Staatsarchiv, in denen Amsterdam und Straßburg das Kollektieren für Hamburg höflich aber bestimmt ablehnten.

Die erste Hamburger Lotterie wurde ein Erfolg. 1615 konnte der Bauplatz an der Binnenalster erworben werden und schon im nächsten Jahr wurde der Bau des "Werck- und Zuchthauses" für 70.000 Mark vollendet.

In der Armen-, Gotteskasten- und Werckhausordnung von 1622 wird die Staatslotterie bereits glorifiziert: "Gott allein die Ehre! Als man schrieb A. D. 1612, erweckte Gott der Allmächtige etliche fromme christliebende und gutherzige Leute und eröffnete ihnen Augen und Herz, daß sie den Jammer und Elend der armen, nothdürftigen und hausarmen Leute erkannten, auf Mittel und Wege bedacht waren, Wie denselben möchte nützlich geholfen und treulich vorgestanden werden. ... Weil dann unser Herr Gott Deut XV ganz ernstlich gebeut, da er also spricht: (Vers 4) Es soll kein Bettler unter euch seyn, als hat E. Ehrbarer Hochw. Rath, samt der Erbgesessenen Bürgschaft, Anno 1614 ein öffentliches Loß angeordnet und ausgehen lassen, auf das alles, was dadurch lucriret wurde, anfänglich zu einem Werck- und Zuchthaus gebrauchet werden möchte, dadurch die Armen unterhalten, die Bettler abgeschaffet, und allerhand Unheil gewehret würde."

Die Lotterie von 1614 war nicht die allererste in Hamburg gewesen. Schon 1585 hatte ein gewisser Matthias Schloyer "Cleinodien" verlost, aber es hatte dabei soviele "Irrungen" gegeben, dass der Rat eingriff und Schloyer veranlasste, die vorgekommenen Betrügereien binnen drei Monaten zu "geburlicher Richtigkeit zu bringen".

1770: das erste "Lotto-Fieber".
Das Zahlenlotto entwickelte im 18. Jahrhundert eine ungeheure Popularität und entfachte eine leidenschaftliche Diskussion über seinen gesellschaftlichen und politischen Stellenwert - ein Vorgang, der durchaus Parallelen zur aktuellen Situation des Lotto aufweist.

"Fortuna dient allen der Reihe nach. Scheint´s dir auch lang, halt die Hoffnung wach" - dieser zeitgenössische Werbespruch eröffnet einen hübschen Einblick in die Marketingstrategien barocker Lotto-Unternehmer.

Mehr als 200 Jahre vor dem Siegeszug der Super-Jackpots war bereits die Rede von einem "Lotto-Fieber" bzw. einem "Lotto-Rausch", der durch die deutschen Lande gehe. 1770 erschien in Altona gar eine "Wochenschrift für Lottologie", die reißenden Absatz fand. Selbst aufgeklärte Geister wie der berühmte Gotthold Ephraim Lessing entdeckten den Reiz des neuartigen Glücksspiels. Noch wenige Stunden vor seinem Tod am 15. Februar 1781 wählte Lessing seine Zahlen für die nächste Ziehung, darunter die 52, denn dieses Alter habe er jetzt erreicht, und mit dieser Ziffer hoffe er zu gewinnen - eine Tippstrategie, die bis heute trotz Quick-Tipp und Zufallsgenerator nichts an Popularität eingebüßt hat.

Von der geradezu fabelhaften Akzeptanz des Lotto kündet auch ein Bericht der Zeitschrift "Hamburg und Altona" aus dem Jahre 1803: "Allen strahlte die Hoffnung aus den Augen, und die Zettel, welche die Herankommenden zum Teil in der Hand hielten, schienen für die meisten den Wert eines guten, morgen zahlbaren Wechsels zu haben. Ein Maler, dem aufgetragen würde, eine personifizierte Hoffnung zu malen, fände hier Originale in Menge!"

Ab 1800: 150 Jahre Lotto-Pause.
In einem Pamphlet, das 1785 in Würzburg verfasst wurde, wird "Madame Lotto" als die Maitresse des Bürgers bezeichnet, welche, aus Genua stammend, sich "in Teutschland häuslich niedergelassen habe, um vom Tagelöhner bis zum Fürsten" alle Menschen in ihren Bann zu ziehen.

Einen positiven Aspekt des Glücksspiels brachte Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 99) zum Ausdruck: "Ein Los der Hannöverschen Lotterie kostet 18 Taler und 13 Groschen. Dieses beträgt eine Ausgabe von etwas mehr als 14 Pfennigen pro Tag. Soviel verschnapsen manche Menschen täglich. Wer sich also gewöhnt, lieber Hoffnung zu schnapsen, dem wollte ich auf alle Fälle raten, in der Lotterie zu setzen."

Gegen die Stimmen, die für eine Abschaffung des Lotto aus moralischen Gründen plädierten, wurde in Sachsen scharfsinnig argumentiert, dass man dann auch die kaufmännische Spekulation, die Börse, das Aktiengeschäft, ja sogar das Erbrecht abschaffen müsse, da all dies - ebenso wie das Lotto - "die Erlangung eines Gewinns ohne Arbeit" ermögliche. Und noch schärfer: "Wollte der Staat auf allen Fall die Quellen der Verarmung verstopfen und mit Macht die Gewohnheiten beseitigen, welche zu Immoralitäten führen können, so müßte er mit anderen Dingen anfangen, als mit der Lotterie. Da wären unter anderem die Wirtshäuser zu vertilgen; da müßte die Reichsgewalt beauftragt werden, für die Abschaffung der Freudenhäuser im Deutschen Reich zu sorgen."

Trotz solch brillianter Rechtfertigung des Glücksspiels setzten sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Moralisten durch. Nach vermeintlichen, zum Teil auch tatsächlichen Auswüchsen und Unregelmäßigkeiten wurde das Lotto um 1800 in Deutschland nördlich des Main "zum Schutze des Volkes vor großen finanziellen Verlusten" für ca. 150 Jahre eingestellt.

Die Nachkriegsjahre: zuerst kam das Fußballtoto.
Nach dem zweiten Weltkrieg setzt in der entstehenden Bundesrepublik Deutschland eine erneute Blüte des Zahlenlottos ein. Dieser ging seit 1948 ein erfolgreiches Aufkommen des Fußballtoto voraus.

Im Jahre 1921 wurde in Großbritannien, dem klassischen Land der Sportwetten, erstmals ein Fußballtoto ausgetragen. In Deutschland entstanden die Fußballwetten erst nach dem 2. Weltkrieg. Am 27. April 1948 - noch vor der Währungsunion - wurde der "Staatliche Bayrische Fußballtoto" gegründet. Die anderen Länder folgten nach und nach. Anfang der 50er Jahre bildeten sich verschiedene Totoblöcke; ein Nord-Süd-Block, bestehend aus Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern und ein Süd-West-Block, dem Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz angehörten. Am 11.11.1956 konstituierte sich der Deutsche Totoblock, der als gemeinsames Spielgeschäft die 12er-Wette austrug.

Umsatzmäßig erreichte das Fußballtoto im Jahr 1955 mit blockweiten Spieleinsätzen in Höhe von 492,1 Mio DM seinen Höhepunkt. Bereits zwei Jahre später (Totojahresumsatz 211,7 Mio DM) musste es seine Führungsposition an das Lotto abtreten (Lottojahresumsatz 809,9 Mio DM).

1953: Das Zahlenlotto startet durch.
Die Zahlenlotterie startete schließlich am 11. Januar 1953 in Berlin, 190 Jahre nach der preußischen von 1763. Die Berliner spielten das klassische Genueser Lotto mit der Spielformel "5 aus 90". Anders war, dass es keine Amben, Ternen und Quaternen mehr gab. Vielmehr war von vornherein festgelegt, dass die Hälfte des Umsatzes als Gewinn ausgezahlt werden musste.

Das Berliner Lotto verlief äußerst erfolgreich. 60 Prozent der Einnahmen stammten von "Fernwettern" aus Westdeutschland, wo das wiedereingeführte Zahlenlotto begeistert angenommen worden war. Diese Entwicklung führte in Nordwestdeutschland zu der Überlegung, ein eigenes Zahlenlotto einzuführen, um dem allwöchentlichen Abzug von Geld nach Berlin zu begegnen.

1955: Erstes norddeutsches Zahlenlotto.
Am 14. April 1955 übernahm die Nordwestdeutsche Klassenlotterie in den Ländern Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg die Aufgabe, neben der Klassenlotterie auch das Zahlenlotto zu organisieren.

Ein Bankenkonsortium unter Federführung der Hamburgischen Landesbank gründete für diese Aufgabe eine Lotteriedirektion mit Sitz in Hamburg. In jedem der beteiligten Länder wurde eine Landesgeschäftsstelle eingerichtet, in Nordrhein-Westfalen sogar zwei mit Sitz in Köln und Münster.

Erste Hamburger Glückszahl: 13.
Die Geburtsstunde des Zahlenlotto mit der neuen Spielformel "6 aus 49" schlug am Sonntag, dem 9. Oktober 1955 um 16 Uhr in Hamburg in einem Raum des ehemaligen Hotels Mau am Holstenwall 20.

Anwesend waren ca. 30 Personen. Der Ausspielleiter Jürgen Klawitter und der Notar Walter Kuckuck zeigten den Anwesenden einen Kasten, in dem 49 Plexiglaskugeln in Vertiefungen lagen. Nachdem die Kugeln in die Lostrommel geworfen worden waren, zog ein Waisenmädchen die erste Gewinnzahl. Ironischerweise war es die 13. Es folgten noch die 41, die 3, die 23, die 12 und die 16.

Sechs Richtige hatte an diesem ersten Ziehungstag noch kein Lottospieler. Es waren 257.914 Scheine abgegeben worden, die einen Umsatz von 515.828,00 DM erbrachten.

Die ersten "Sechser" konnten in der 6. Veranstaltung (Ziehungssort war diesmal München) am 13.11.1955 bejubelt werden - der 1. Rang war sogar gleich dreimal besetzt; jede Partei erhielt 59.492,00 DM.

Es dauerte noch weitere 42 Ziehungen bis in der 48. Veranstaltung vom 02.09.1956 (das erste Geschäftsjahr umfasste 64 Veranstaltungen in dem Zeitraum vom 09.10.1955 - 23.12.1956) durch Gewinnzahlenermittlung in Bremen der erste Lottomillionär gekrönt werden konnte - seine Gewinnsumme betrug 1.043.364,50 DM. Noch zwei weitere Lottomillionäre wurden gekürt, bevor im Oktober 1956 eine Quotenbegrenzung im 1. Rang auf 500.000 DM in Kraft trat, die bis 1974 das Entstehen weiterer Lottomillionäre unmöglich machte.

Wirtschaftswunderzeit - Lottozeit.
Die erste Ziehung "6 aus 49" am 9. Oktober 1955 fand vor dem Hintergrund einer sich herauskristallisierenden historischen Neuorientierung der jungen Bundesrepublik Deutschland statt. Am 8. Mai 1955 war die Bundesrepublik in die NATO aufgenommen worden. Gleichzeitig meldeten sich die ersten Freiwilligen für die neue Bundeswehr. Die letzten Transporte mit Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion trafen Ende 1955 ein.

Das Wirtschaftswunder stand in voller Blüte und so konnte es nicht ausbleiben, dass auch das Glücksspiel als ein bedeutender Bereich der Freizeitgestaltung wieder gefragt war. Dem Zahlenlotto voraus ging wie gesagt die Einführung von Fußballwetten. Der große Vorteil des Lotto - und damit wohl auch das Geheimnis seines Erfolges - besteht jedoch darin, dass es keine Expertenkenntnisse voraussetzt und allein der Zufall entscheidet: ein wahrhaft demokratisches Prinzip.

1962: Der Deutsche Lottoblock formiert sich.
Die erste Ziehung "6 aus 49" fand unter Beteiligung der Länder Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Bayern statt. Bremen beteiligte sich ab dem 13. Mai 1956 und Niedersachsen ab dem 10. Juni 1956. Mitte Juni erreichte der Umsatz über vier Millionen DM an einem Spieltag. Als Hessen am 2. September 1956 dazukam, verzeichnete man danach schon über zehn Millionen DM. Rheinland-Pfalz trat am 2. Dezember 1956, das Saarland am 6. Januar 1957 bei. Sieben Monate nach dem Beitritt Baden-Württembergs am 13. April 1958 wurde die 20-Millionen-DM-Grenze pro Spieltag überschritten. Als letztes Land der alten Bundesrepublik trat am 4. Oktober 1959 auch noch Berlin hinzu und schloss sich der neuen Zauberformel "6 aus 49" an.

Mit dem Abschluss des ersten Blockvertrages (Inkrafttreten zum 01.10.1962) trafen die Gesellschaften des Deutschen Lotto- und Totoblocks einheitliche Regelungen für die Abwicklung der Spielgeschäfte - z. B. Ziehung der Gewinnzahlen, Poolung der Umsätze und Gewinne zur Ermittlung einheitlicher Quoten.

Lotto heute: populär, akzeptiert, erfolgreich.
Das Zahlenlotto ist das populärste und weitest verbreitete staatlich zugelassene Glücksspiel in der Bundesrepublik. Regelmäßig nimmt rund ein Drittel aller Bundesbürger an den Ausspielungen des Zahlenlotto teil.

Die Popularität des Zahlenlotto hat mehrere Ursachen. Zum einen stellt die Erwartung, mit relativ geringem Einsatz hohe Gewinne zu erzielen, einen großen Spielanreiz dar. Daneben dürfte aber auch die Einfachheit der Spielformel und der Teilnahmebedingungen eine nicht zu unterschätzende Rolle für die starke Frequentierung des Zahlenlottos bilden.

Das Vertriebssystem der weitverbreiteten Lotto-Annahmestellen, die sich überwiegend in Einzelhandelsfachgeschäften der Tabak-, Zeitschriften- und Schreibwarenbranche befinden, hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen. Die Abgabe des Lottoscheins gehört zum Einkauf im "Geschäft um die Ecke". Das Spielangebot "6 aus 49" wurde quasi in den Alltag integriert.

Darüber hinaus erfreut sich das Zahlenlotto einer permanenten Präsenz und lebhaften Resonanz in den Medien. Die Ziehung der Glückszahlen wird zu den besten Einschaltzeiten im Fernsehen live übertragen (1. Fernsehziehung: 04.09.1965) und ist mittlerweile zum nicht mehr wegzudenkenden wöchentlichen Ritual des Abendprogramms geworden. Die Ergebnisse werden darüber hinaus in Rundfunk und Presse publiziert.


Einsätze, Gewinne, Jackpots: stark steigende Tendenz.
Umsätze des Zahlenlottos am Samstag sind bis zum heutigen Tag beinahe kontinuierlich gestiegen. Bereits 1959 konnte im Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) ein Jahresumsatz von über 1 Milliarde DM erreicht werden.

Zu den eindrucksvollen Umsatzsteigerungen im Bereich des Zahlenlottos "6 aus 49" trugen maßgeblich marktstrategisch und produktpolitisch richtungsweisende Entscheidungen bei. Quotenfreigabe und die damit verbundene Jackpotbildung haben zu einer starken Belebung des Spielinteresses geführt und zeigen von Woche zu Woche positive Wirkungen.

Am 21.10.1956 wurde eine Quotenbegrenzung auf 500.000 DM eingeführt. Diese Begrenzung wurde am 06.07.1974 von 500.000 DM auf 1,5 Mio DM angehoben. Am 04.07.1981 erfolgte die Quotenverdoppelung auf 3,0 Mio DM mit gleichzeitiger Anhebung des Spieleinsatzes je Spiel (Feld) von 0,50 DM auf 1,00 DM. Mit der völligen Quotenfreigabe am 01.06.1985 wurde die Voraussetzung zur Bildung attraktiver Jackpots geschaffen. Die Einführung der 7. Gewinnklasse als "Superklasse" (6 Richtige mit Superzahl) mit Wirkung ab der 49. VA 1991 (07.12.1991) führte schließlich in Kombination mit der Erhöhung des Spieleinsatzes von 1,00 DM auf 1,25 DM zu einer beträchtlichen Belebung im Bereich der Jackpot-Bildung, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der sommerlichen Jackpot-Phase in 1994 (26. - 36. Veranstaltung) mit einer abschließenden Gewinnsumme von 42,3 Mio DM fand. Der bisher höchste Gewinn im Zahlenlotto wurde mit 20,9 Millionen Mark in der 29. VA 1999 erzielt.

Sukzessive wurde auch der Spieleinsatz von zunächst 0,50 DM pro Spiel (Feld) auf 1,00 DM (04.07.1981) und schließlich, auf 1,25 DM (07.12.1991) erhöht, wodurch insgesamt attraktivere Quoten in allen Gewinnklassen möglich wurden.

Seit 02.12.2000 gibt es statt Lotto am Sonnabend und Lotto am Mittwoch ein Lotto mit zwei Ziehungen pro Woche. Lotto wurde damit noch attraktiver mit höheren Gewinnchancen und rollierenden Jackpots.